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Geschichte des Hofes

Ein kleiner Streifzug durch die Geschichte des ehemaligen Lehn-Schank-Gutes Werenzhain

Der Ort Werenzhain wurde mit seiner Übereignung an das Kloster Dobrilugk erstmals 1234 als Witheroldeshagen oder Wetheroldeshagyn urkundlich erwähnt. Ebenso wie die benachbarte Kirche aus Granitquadern gehörte der Hof zum Kern des ursprünglichen Klosterdorfes.

Das ehemalige Lehn-Schank-Gut Werenzhain befindet sich seit 1996 im Besitz des Kunstvereins. Der Vierseitenhof umfasst neben dem Haupthaus mit Festsaal zahlreiche Nebengebäude. Dazu gehören Stallungen und Scheunen sowie ein Gesinde- und Backhaus. Die Anlage liegt am Dorfplatz, in direkter Nachbarschaft zur Dorfkirche, deren Erbauung auf 1250 zurückreicht.

früher ...

Ab 1674 besaß Werenzhain eine eigene Dorfordnung und damit verbunden auch einen eigenen Dorfschulzen (später Bürgermeister), dessen Gehöft an der Stelle des heutigen Atelierhofs lag. Sowohl das Amt des Lehnsrichters als auch die Bewirtschaftung als Gut und Schankbetrieb waren erblich.

Das alte Gebäude wurde mehrfach erneuert und verändert und fiel schon zweimal (in den Jahren 1754 und 1884) einem Brand zum Opfer.
1889 wurde der Hof wieder aufgebaut, zunächst – wie alle Gehöfte im Dorf – als reiner Ziegelbau, 1907 wurde die Fassade dann verputzt und mit Bauornamentik im Zeitstil versehen.

Ansicht vom Innenhof früher
Ansicht vom Innenhof früher

Der ab 1888 nach seiner Besitzerin Hulda Klix benannte Klixhof war vor allem in der Zeit der aufkommenden Natur- und Wanderbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts, eine gute und oft angesteuerte Adresse. Im Giebel des Hauses hatte sie das „blaue Zimmer“ ausschließlich für Reisende reserviert. Durch den Ausbau der Bahnstrecken war auch die Gegend um Doberlug-Kirchhain in den Reise- und Urlaubsverkehr der Großstädte Berlin, Leipzig und Dresden eingebunden.
Der Familienbetrieb wurde über Generationen erfolgreich geführt.
Nach dem 2. Weltkrieg ging der Hof in den Besitz der LPG Werenzhain über.
Die Gastwirtschaft wurde von Günther Klix noch bis in die siebziger Jahre als Konsum-Gaststätte weiter betrieben. Das Gasthaus mit großem Festsaal und Bühne war als Ort für Feiern und Feierlichkeiten jeder Art vor allem in der Region bekannt.

hofansicht heute
Ansicht vom Innenhof heute

... und heute

Nach der Wende zu Beginn der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatten wechselnde Pächter und Gastwirte wenig zum Erhalt oder zur Restaurierung des Gebäudekomplexes beigetragen.
Durch die Rückübertragung und Erbschaft wurden die Brüder Bernd und Frank Nitzschke Eigentümer des Hofes. Bernd Nitzschke und seine Frau Ursula Cremer fühlten sich dem Ort seiner Kindheit ebenso verbunden wie ihrem Interesse an Kunst und regionaler Kultur. Auf ihrer Suche nach Partnern aus dem Kulturbereich fand Ursula Cremer in einer Künstlerinnengruppe aus Berlin und Brandenburg engagierte Mitstreiterinnen.

Im November 1996 wurde der Verein Atelierhof Werenzhain e.V. gegründet und die Räume der ehemaligen Gastwirtschaft tatkräftig in Galerieräume für Ausstellungen und Projekte gewandelt.

Seither hat sich der Hof als lebendiger Ort präsentiert, an dem viele Projekte realisiert wurden und ein lebhafter Austausch stattfindet.


... ein bedeutsamer Ort

Seit 1996 steht das ehemalige Lehn-Schank-Gut unter Denkmalschutz.
Aufgrund seiner exponierten Lage, durch seine Größe und indem es sich durch seine Fassaden deutlich gegenüber den umliegenden historischen Gehöften hervorhebt, prägt es das Zentrum des Straßenangerdorfs (städtebauliche Bedeutung). Außerdem kommt dem Anwesen als jahrhundertelanger Wohnort der Werenzhainer Dorfschulzen und Bürgermeister ortsgeschichtliche Bedeutung zu.

Die landwirtschaftsgeschichtliche Bedeutung ist in der Kombination von Gasthaus mit Festsaal und einem auch für Werenzhainer Verhältnisse großem landwirtschaftlichen Betriebs begründet. Die Vielfalt der unterschiedlich genutzten baulichen Anlagen verdeutlicht die auf eine vielseitig ausgerichtete Wirtschaftsweise eines solchen Betriebs. Darüber hinaus sind die Gebäude in ihrer auf die unterschiedliche Viehhaltung ausgerichteten Ausstattung der Ställe, sowie der weiteren Nutzung der Nebengebäude als Gesindewohnung und das große Backhaus Zeugnisse des ländlichen Bauens um 1900 und somit auch von volkskundlicher Bedeutung.

Für Besucherinnen und Besucher zeigt sich das Anwesen zum großen Teil noch in seinem ursprünglichen Zustand und eigenem Charme. Dies gilt es durch eine sanfte Sanierung für die Zukunft zu erhalten.